Unsere Häuser

Anders als heutzutage, war es zu den Anfängen der verbindungsstudentischen Bewegung alles andere als ?blich, dass eine Korporation ein eigenes Haus besaß. Auch unsere Bundesbrüder trafen sich lange Zeit in Stammkneipen, wie der Eifertei oder der Büchsenkneipe, in denen das Bundesleben stattfand.


Das Bierkirchle

Während der Bundesversammlung von 1893 wurde eine Kommission gegründet, die den Zweck hatte den Bau eines eigenen Hauses voranzutreiben. 1894 wurde ein Grundstück an der Gartenstraße gekauft, bereits ein Jahr später konnte Richtfest gefeiert werden, 1896 konnte das Haus dann bezogen werden. Das von Albert von Beger im Stil des Wilhelminismus gebaute Haus wurde im Volksmund wegen seiner Form und Trinkkultur bald "Bierkirchle" genannt. Obwohl das Haus rein repräsentativen Zwecken diente und keine Wohnungen hatte, wurde es bald zu klein. Im Herbst 1929 begannen deshalb die Abrissarbeiten um einem größeren Haus Platz zu machen.

 



Das Germanenhaus 

Nachdem das Bierkirchle abgerissen war, wurde an seiner Stelle das neue Germanenhaus gebaut. Sein Architekt, Paul Schmitthenner, konnte das Haus Anfang August 1931 an die neuen Besitzer übergeben. Im Gegensatz zum Bierkirchle wurde das neue Haus nun bewusst schmucklos und schlicht gebaut. Es wurde auf eine klare, einfache Linie, mit hohen und hellen Räumen Wert gelegt.
Schmitthenner achtete, ganz der Stuttgarter Schule verpflichtet, darauf dass neben modernen Baustoffen wie Backstein und Betonguss auch natürliche Materialien wie Tuffstein (z.B. am Eingangsbereich), Sollnhofener Platten oder Eichenparkett verlegt wurden. Eine Besonderheit des Hauses ist der Kneipsaal, dessen Decke in ungehobeltem Oregon ausgeführt wurde. Anschließend wurde sie mit Wachskasein bemalt. Diese Decke steht heute unter Denkmalschutz.
Die Luftmine, die das Uhlandhaus zerstörte, beschädigte auch das Germanenhaus schwer. Unter anderem wurde der Turm des Germanenhauses komplett zerstört. Dennoch waren die Schäden nicht irreparabel, sodass bereits 1944 mit dem Wiederaufbau (ebenfalls unter der Leitung von Paul Schmitthenner) des Germanenhauses begonnen werden konnte.

Jedoch wurde nun auf den Turm verzichtet, das Haus erhielt nun seine heutige Form. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Haus, wie viele andere Verbindungshäuser auch, von den Alliierten beschlagnahmt. Im Germanenhaus wurde die französische Bezirksverwaltung eingerichtet, bis das Haus 1956 wieder an seine ursprünglichen Besitzer zurückgegeben wurde. Heute befinden sich im Haus neben den repräsentativen Räumen neun Aktivenzimmer.



Das "Aquarium"

 

Da das Germanenhaus nicht mehr zur Verfügung stand, wurde 1950 ein einstöckiges Behelfsheim im Garten, neben dem Preußenhaus gebaut. Hier konnte nun wieder der Aktivenbetrieb aufgenommen werden. Nachdem das Germanenhaus 1956 wieder zurückgegeben wurde, wurden im Behelfsheim mehrere Aktivenzimmer eingerichtet.

Aufgrund des Wohnzimmers mit Blick über Tübingen wird das Behelfsheim auch Aquarium genannt.